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Aufzeichnungen aus 2129 Tagen
Broschiertes Buch
Eines der ernüchterndsten Kriegsbücher
Erich Kuby hat vom 27. August 1939 bis zum 24. Juni 1945 Tag für Tag seine Erlebnisse ohne Rücksicht auf eine mögliche Zensur notiert. Gleichsam unter dem Diktat leidenschaftlicher Humanität entstand ein scharfsinniges Dokument des Zweiten Weltkriegs, verfasst von einem jungen Mann, der sich innerlich verweigerte, der schreiben musste, um zu überleben.
"Hier ist die Wehrmacht keinen Augenblick sauber." tazEs gibt köstliche Stellen. Auf Seite 333 überlegt der Verfasser, wie es deutschen Geistesheroen wohl 1939 ergangen wäre: "Goethe wäre schon vor dem 1. September im Besitz eines Dokumentes gewesen, daß er u.k. (=unabkömmlich) sei. Hölderlin wäre zugrunde gegangen. Richard Wagner hätte versucht, durch den Bodensee in die Schweiz zu schwimmen, wäre dabei aber aufgegriffen worden, weil er... im Gasthaus geredet hätte... Außerdem hätte er den großartigen Charkow-Marsch komponiert und wäre daraufhin Staatskapellmeister geworden. Bach wäre sofort als Regimentsmusiker eingezogen worden und hätte nach Dienst die h-moll Messe geschrieben..."
Andere Stellen sind weniger köstlich. Herr Kuby ist seinerzeit nicht befördert worden und ist darauf stolz. In einer Welt, in der jeder noch im Angsicht des Untergangs versessen war auf Winkel und Sternchen, war das sicher viel. Herrn Kubys Stolz geht dem Leser oft auf die Nerven. Hermann Lenz fällt einem ein. Der hat einen autobiographischen Roman über dasselbe Thema geschrieben und den habe ich lieber gelesen; er enthält so viel mehr Beobachtungen.
Aber Erich Kuby hat ja auch keinen Roman geschrieben. Das Buch, montiert aus Tagesnotizen und Briefen, ist das Zeugnis eines Überlebens. Geistig überleben ließ sich wohl nur mit so einer Selbststilisierung zum einzigartigen Individuum, demjenigen, der allein über den Dingen steht. Kuby gleicht darin Gottfried Benn, den er so schmäht.
Ja, es ist ein wichtiges Buch. Ja, es entfaltet jenen Sog des Weiter-lesen-müssens vieler Tagebuchwerke. Aber daß es, wie geschrieben worden ist, den Tagebüchern von Viktor Klemperer an die Seite zu stellen wäre, also das ist übertrieben.
In späteren Zusätzen trägt Kuby immer wieder die Wirkungsgeschichte von Mein Krieg nach. Mitten in der demokratischen Bundesrepublik, haben ihn Veteranenverbände geschmäht und vor Gericht gezogen, weil er Verbrechen der Wehrmacht benannt oder einfach nur simple Sachverhalte wahrheitsgetreu geschildert hat. Bei der nächsten Auflage sollte der Verlag eine entsprechende Darstellung dieser aufschlußreichen Vorgänge beigefügen. --Michael Winteroll . KLICKEN SIE HIER, UM DIESES BUCH ZUM KOSTENLOSEN DOWNLOAD