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Vom Leben nach Flucht und Vertreibung
Broschiertes Buch
'14 Millionen Menschen sind in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs vor der Roten Armee geflüchtet oder mussten nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschland ihre Heimat im Osten verlassen. Zwei Millionen haben Flucht und Vertreibung nicht überlebt, die anderen bekamen oft die Rache der Sieger zu spüren: Demütigungen, Misshandlungen und Vergewaltigungen. Aber diese furchtbaren Erlebnisse fanden keinen Platz in der bundesrepublikanischen Erinnerung. Integration war die Devise. So übten sich viele Flüchtlinge und Vertriebene in Selbstverleugnung. Die Menschen, die sie vermissten, und die Orte, nach denen sie sich sehnten, erwähnten sie nicht. Hilke Lorenz, deren Eltern aus Schlesien vertrieben wurden, hat mit vielen Betroffenen aber auch mit deren Kindern über die schwierige Zeit des Neubeginns und über das neue Leben in der Bundesrepublik gesprochen. Ihre persönlichen Erfahrungen vermitteln ein breitgefächertes Panorama des deutschen Zusammenwachsens.Bereits im Vorwort macht Hilke Lorenz deutlich, wie vermint und tabuisiert das Thema noch immer ist. Bund der Vertriebenen, Erika Steinbach, Trachtenaufmärsche und Brauchtum, steinerne Mienen, Besitzansprüche. Namen und Begrifflichkeiten, die nicht gerade in die Moderne weisen. Wer sich also des Schicksals der Vertriebenen annimmt, gerät leicht in Gefahr, den Eishauch des Ewiggestrigen, gar des Geschichtsrevanchisten zu verströmen. Fragen nach Kriegsschuld und Sühne, nach Ursache und Wirkung hängen bleischwer im Raum. Nicht so für Hilke Lorenz. Nach Kriegskinder und Weiterleben, als sei nichts gewesen? ist dies der dritte Versuch der Stuttgarter Journalistin, Aufklärung durch Erinnerungskultur zu etablieren.
Stellvertretend für die 14 Millionen Menschen, die die Ostgebiete zwischen 1944 und 1946 durch Flucht oder Vertreibung verlassen mussten (geschätzte 2 Millionen kamen dabei ums Leben), verfolgt Hilke Lorenz zehn Schicksalsstränge, inklusive dem ihrer eigenen schlesischen Familie, die es auf die Schwäbische Alb verschlug. Herausgekommen sind Fallbeispiele bodenloser Abstürze in Heimatlosigkeit und Selbstnegation. Was alle einte, war das Gefühl von Fremdheit, Feindseligkeit und Ausgrenzung durch die eigenen Landsleute. So am Beispiel des Flüchtlingsmädchens Charlotte, die beim Abschlussball der Tanzschule “den Tanzpartner abbekam, mit dem keine andere tanzen wollte”. Noch heute erinnert sich die 75-Jährige an das schnell erlernte “Lügen und Portionieren der Wahrheit”, wenn sie nach ihrer Herkunft befragt wurde. Die Vertriebenen waren gleichwohl doppelt gestraft: Aus dem Osten geflohen, sahen sie sich bald als lästiger Stachel im Fleische eines sich bereits in der Verdrängungsphase behaglich machenden Westens.
Neben allen tragischen Aspekten vollführen Hilke Lorenz’ reportagehafte Essays auch einen durchaus farbenfrohen Zeitsprung in die Anfänge der Wirtschaftswunderrepublik und ihres Wiederaufbaus. Die neuerliche Tragik hierbei: Ausgerechnet in der umtriebigen Boomzeit der sogenannten Goldenen Fünfziger wollte man für Kriegsopfer, verlorene Ostgebiete und Vertriebene nur wenig Interesse aufbringen. Hilke Lorenz hat diesen Mangel behoben. Hier hat keine Funktionärin der Vertriebenenverbände gesprochen. Hier wurden nur gebrochene Biografien dokumentiert. Ohne zu klagen -- oder gar einzuklagen. Das muss möglich sein. –Ravi Unger . KLICKEN SIE HIER, UM DIESES BUCH ZUM KOSTENLOSEN DOWNLOAD